City 2015 / Frau Karla
LammStr. 7
76133 Karlsruhe

[Anm. d. Red.: Diese Frau Karla ist eine vom ehemaligen CDU-Bürgermeister lanzierte Person, um den Karlsruhern mit einer vertrauten Person KARLa = KARLsruhe, hehe, die sogenannte U-Strab einzureden. In viertelseitigen Anzeigen schilderte Karla, wie grausam die oberirdische Straßenbahn das Leben in der Stadt macht. Vermutlich steckt die Frau vom Bürgermeister dahinter, und es ist schon lange her, daß sie mal einen Kinderwagen in eine Straßenbahn bewegt hat, dies ist nämlich oberirdisch sehr einfach ..]

Liebe Frau Karla!
Vielen Dank für den Artikel, seit Monaten fällt es uns wie Schuppen von den Augen, wie sehr sich doch Stadtplaner mit Karlsruhe geirrt hatten. Allein schon diese Fächerstruktur! Und hätten sie beim Wiederaufbau nach dem Weltkriege nur eine wenig belebte Route für die Straßenbahn ausgewählt, dann hätten wir in diesen Tagen nicht diese Propaganda für den Bau einer U-Strab zu erdulden! Es sind wohl die selben Stadtplaner die uns die Stadtautobahn Kriegstraße und Shopping-Center am Stadtrand bescherten. Menschen in die Autos und Wohnen in den Vorstädten war die Devise!

Doch schreiben wir nicht mehr die dunklen 50 Jahre sondern sehen hoffnungsvoll ins 21.Jahrhundert! Dem Trend zurück zum Wohnen in der Innenstadt sind meine Frau und ich schon 2001 gefolgt und wir freuen uns über die lebendige Innenstadt von Karlsruhe. Über die Straßenbahnen die fast vor unser Haustür in alle Himmelsrichtungen fahren, über Passanten, die auf ihre Bahn wartend einen Schaufensterbummel machen oder ein Eis schlecken, selbst die Obdachlosen im Park sind besser drauf als Bewohner von Straßenbahntunneln in anderen Städten.

Denn ich erinnere mich mit Schrecken an die 80er Jahre in Hannover, wo eine unter die Erde verlegte Straßenbahn die Innenstadt zur Betonwüste veröden ließ. Nur einige Mutige wagten sich noch am Samstagnachmittag in die Stadt, um feindliche Fußballfans vom Bahnhof abzuholen. Über die Jahre fanden die Hannoveraner den Weg in die grüne Umgebung, in die Einkaufszentren der Vorstädte, zu einem Auto-zentrischem Lebensstil, der Luftverpestung und Verkehrstote mit sich bringt. Jetzt, nach 25 Jahren U-Strab in Hannover ist deren Innenstadt immer noch öde am Wochenende.

Wir haben auch in den USA gelebt, dort sind die Innenstädte verwahrlost, in denen unter der Woche Behörden, Banken und Versicherungen ihre Büros betreiben, wo aber kein normaler Mensch zum Einkaufen geschweige denn in der Freizeit hin fahren möchte. Öffentlicher Nahverkehr findet fast nur unterirdisch statt. Oberirdische Straßenbahnen wurden zu Touristenattraktionen wie in San Francisco.

Seit einigen Jahren gibt es in den USA ein wenig Silberstreif, viele Großstädte bauen eine Einkaufsstadt - Mall - in die verödete Innenstadt: ein riesiges Parkhaus mit einem teuren Shoppingcenter, vollklimatisiert, damit die Vorstadtmenschen am Wochenende mit der Familie in die Stadt kommen. Diese neuen Innenstadtmalls beleben die ehemals öden Straßen, wenn auch nur mit langen Autoschlangen, die auf dem Weg von der Autobahn zum Parkhaus sind.

Diese Autoschlangen, um den Kreis meiner Argumentation zu schließen, haben wir aber heute schon in Karlsruhe! Kommen sie mal, und sie wohnen ja ganz in der Nähe, am Samstagmittag in die Ritterstraße und zählen die Autos, die da stinkend auf Einlaß ins Karstadt Parkhaus warten.

Fazit: Es ist gar nicht nötig, die Straßenbahnen in den Untergrund zu bannen, denn Autoschlangen für Parkhäuser haben wir doch schon! Die Stadtbewohner zukünftiger Jahrzehnte werden es uns danken.

Lassen wir die Straßenbahnen wo sie sind und verlegen die Kaiserstraße!

Ich bin ja kein Shoppingverächter, im Gegenteil, wir fahren gern in Orte, wo ordentlich (zum Beispiel am Sonntag) geshoppt werden darf ... USA, und all die Urlaubsorte am Mittelmeer.
Aber ich bin nicht dumm. Und deswegen war ich immer gegen eine U-Bahn bei uns in Karlsruhe.
Es war immer nur eine Art Denkmal für den OB - und sonst nix. Das kurze Denken, die Belebung der Kaiserstraße am Samstag, das Ignorieren der wirklichen Verkehrsprobleme unter der Woche ...
U-Bahnen gehören in Metropolen, notfalls noch die Hauptstadt des Schwabenlandes, aber schon das doppelt so große Strasbourg spart sich den Unsinn.
U-Bahn ist gut und schön. Verdammt geiles Spielzeug. Viele neue Überwachungskameras für all die dunklen Ecken. Aber nur unter bestimmten Umständen gut nutzbar.
Danke, daß meine Steuern dafür nicht verschwendet werden. Lieber woanders reinpacken, in sinnvollere technische oder soziale Projekte an Schulen oder Pflegeheimen. Da ist das Geld besser aufgehoben als in einem Denkmal für einen abgehalfterten Politfürsten.

PS. Rührend spassig, die Szene mit der von der Straßenbahn gehetzten Mutter.

Glauben Sie - mal unter uns und ganz ehrlich - daß eine Mutter mit Kindern sich in dunkle stinkende Löcher, äh, U-Strab-Höfe, begeben würde, um zum Arzt oder zum Einkaufen zu fahren?!


Wir behalten auf jeden Fall unser Auto, falls denn diese U-Strab kommt!

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